Geschichtlicher Rückblick

Fast 40 Jahre ist unser Verein nun schon alt. Viele Mitglieder aus den Gründerjahren sind dem FC Binzgen noch immer treu. Sie erinnern sich immer wieder gern an die „gute alte Zeit“, als nach dem Spiel die Fußballschuhe am Brunnen beim Gasthaus „Hammer“ abgespült wurden und die ersten Punkte auf der Wiese vom Schimitzek-Franz gewonnen wurden. Ein Blick in unsere Bücher brachte mich auf die Idee, in unserem Info eine Serie zu starten: „FC Binzgen – ein Blick zurück“. Geschehnisse und Episoden aus fast 40 Jahren Vereinsleben sollen den Alten und den Jungen die Geschichte des FC Binzgen in Erinnerung rufen. Unvergessene und vielen nicht so bekannte Namen werden auftauchen und Zeugnis ablegen für einen lebendigen Verein, der stolz auf das Geleistete sein darf.

 

Gründung am 23. Juni 1962

Es war Ludwig Gersbach, der die Gründungsversammlung im Gasthaus „Eiche“ geleitet hat. 56 Sportfreunde waren der Einladung gefolgt und wählten – im Beisein von Bürgermeister Pius Böhler sen. – Karl Probst zum ersten Vorsitzenden. Unter der Wahlleitung von Franz Margathe wurde Erich Thoma Vize-Vorsitzender, zum  Kassierer ließ sich Ludwig Gersbach wählen. Zudem saßen der heutige Stadtkämmerer Fritz Ebner (Schriftführer), Paul Hupfer und August Döbele (Platzkassierer), Horst Tokarski und Karl Hübsch (Spielausschuss) im ersten FCB-Vorstand.

Stellvertretend für alle Gründungsmitglieder seien die heutigen Ehrenmitglieder Johann „Futzi“ Müller und Erich Thoma erwähnt. Jüngster im Bunde war damals übrigens Herbert Ebner.

Karl Probst, der später Ehren-Vorsitzender wurde, schloß die Sitzung mit den Worten:

„Möge der Verein in sportlichem Ehrgeiz, durch faire Spielweise bei kameradschaftlicher Zusammenarbeit sportlichen Ruhm erlangen.“

 

Aufstieg nach dem ersten Spieljahr 1962/63

Die Fußballer des FC Binzgen hatten es im ersten Jahr nicht leicht – zumindest ausserhalb des Sportplatzes. So wurde zunächst beschlossen, daß Passive und Aktive 5,- DM pro Jahr bezahlen. Einig war man sich, daß „Blau-Weiß“ die Farben des FC Binzgen sein sollten.

Die wichtigste Entscheidung fiel schon zwei Tage nach der Gründung. Fritz Huber wollte das benötigte Grundstück zur Erweiterung des bestehenden Sportplatzes im „Hammer“ zur Verfügung zu stellen – wenn sein Schwiegervater Fridolin Schlageter einverstanden sei.

Eichen-Wirt Franz Schimitzek stellte für eine Übergangszeit eine Wiese bereit. Doch das Spielen auf dem Platz wurde genau ein Jahr später, am 24. Juni 1963, vom Amtsgericht Säckingen verboten. Der Platz auf dem „Rüttele“ lag direkt unter den Hochspannungsleitungen. „Zu gefährlich“ sagten die Richter und stoppten den Ball. Gut, daß Richard Frei Senior den heutigen „alten Sportplatz“ sofort zur Verfügung stellte.

Fußball wurde auch gespielt – und wie. Zur Premiere wurde in Niederwihl glatt mit 7:1 gewonnen. „Es wurde beidseits ein schöner und fairer Sport gezeigt“, freute sich der Chronist. Das erste Verbandsspiel ging mit 0:2 gegen den SV Waldhaus verloren, vor über 200 Zuschauern. Besser lief es am 16. September 1962 gegen den SV Oberwihl, wo mit dem 5:3-Sieg die ersten Punkte der Vereinsgeschichte geholt wurden.

Dass unsere Elf nicht unbedingt gern gegen den SV Hänner spielt, gründet sich wohl auf das erste Spiel. Mit 4:5 wurde verloren, zwei Eigentore und ein nicht anerkanntes Elfmetertor waren die Ursache. Die Mannschaft wurde immer stärker, feierte im November ein 11:0 gegen Albtal/Unteralpfen und stand am Ende als Neuling auf Platz zwei. Das bedeutete: Aufstieg in die B-Klasse.

Schon 1962 wurde eine 2. Mannschaft gebildet, die aber nur Freundschaftsspiele austrug. Herausragend: Im Januar 1963 wurde gegen die „Erste“ mit 6:5 gewonnen; am 24. März 63 ging es gegen den neu gegründeten FC Rotzel – 11:0 endete das Match für den FC Binzgen II.  

Der neu gegründete FC Binzgen war eine echte Bereicherung für das Dorfleben. Bei der Weihnachtsfeier 1962 im „Hammer“ mußten sogar einige Leute wieder nach Hause geschickt werden – der Saal war überfüllt. Vielleicht lag es ja am Theaterstück „Wo die Heimatwälder rauschten“. Für das richtige Rauschen sorgten jene Akteure: Helga Probst (heute: Hasenberg), Elisabeth Scheibengruber (verstorben), Elisabeth Probst, Gertrud Zimmermann (heute: Schillinger), Wilfried Schlageter, Werner Probst, Manfred Baumgartner, Wilfried Schlageter und der 1979 tödlich verunglückte Peter Schillinger.

Tage zuvor fand in der „Eiche“ die Nikolausfeier statt. Als Lohn für den vierten Platz bekamen die Aktiven vom Nikolaus als Prämie „ein Vesper und ein Glas Glühwein“.

Erwähnenswert ist der 1. Vereinsausflug im Juli 1963. Die 40 Teilnehmer fuhren nicht nach Ibiza oder Mallorca, sondern zunächst zum Titisee: „Mit Booten zogen die Ausflügler mit großer Gaudi in den blau schimmernden See“, schreibt Chronist Fritz Ebner. Nach dem Mittagessen in Furtwangen ging es weiter nach Waldkirch zur „Mutschler-Brauerei“. Was Ebner mit „Nach einem Freitrunk waren alle in bester Stimmung“ meinte, dürfte klar sein, denn „In Auggen wurde ein kurzer Aufenthalt zur Stillung des großen Durstes eingelegt.“ Nach weiterem Stopp in Wallbach, wo „man sich nach einmal kräftig stärkte“ war man gegen Mitternacht in Binzgen zurück.

Noch ein Blick auf den Spielbetrieb. In Herrischried wurde 0:2 verloren, aber „das Spiel war kein Sport mehr, sondern Holzhackerei“, ist zu lesen. Angeblich ließen sich die Herrischrieder „zu üblen Regelverstößen hinreissen. Binzgens Spieler und Zuschauer atmeten erleichtert auf, als der Schlußpfiff kam.“

Den Torjubel beim 2:1über den starken SV Dogern soll man sogar in Hänner gehört haben, wo die 2. Mannschaft gerade mit 0:9 verlor. Höhepunkte waren die Spiele gegen den SV 08 Laufenburg I, der damals in der B-Klasse spielte. Zum Saisonauftakt gab es im Waldstadion ein 0:8, das Rückspiel wurde vor 500 Zuschauern (!) mit 0:3 verloren. Am Ende stand Aufsteiger FC Binzgen auf dem beachtlichen 5. Platz.

 

Mordsgaudi und ein neuer Sportplatz

Schon im dritten Jahr seines Bestehens veranstaltete der FC Binzgen sein 1. Grümpelturnier. Eine Tradition, die erst vor zwei Jahr beendet worden ist und durch die Dorf-Olympiade ersetzt wurde. Die Turnierleitung 1964 hatten Ludwig Gersbach, Wilfried Schlageter und Fritz Ebner. Als Schiris fungierten Werner Probst, Werner Göppert und Peter Schillinger. 21 Mannschaften waren dabei, gewonnen haben die Rasentrippler aus Laufenburg.

Dass der FC Binzgen beim Feiern oft besser ist, als beim Kicken wurde unter anderem beim Kameradschaftsabend 1965 im Gasthaus „Hammer“ bewiesen: „Um die Geisterstunde wurde eine Mordsgaudi getrieben und die Wirtin hatte Mühe, die letzten Gäste vor Tagesanbruch loszuwerden“, steht im Schriftführerbuch zu lesen.

Die erste große Ehrung sprach der FC Binzgen bei der Generalversammlung 1965 im „Hammer“ aus. Der neue Vorsitzende Ottmar Ebner ernannte seinen Vorgänger Karl Probst zum Ehrenvorsitzenden.

Seit der Vereinsgründung träumte der FC Binzgen von einem neuen Sportplatz, im Sommer 1966 war es nach dreijähriger Bauzeit mit über 1000 freiwilligen Arbeitsstunden soweit. Acht Tage lang wurde gefeiert und Fußball gespielt. Höhepunkt war das Spiel „FC Konstanz – SV Schopfheim“, das die Konstanzer vor 1000 Zuschauern mit 4:2 für sich entschieden. Beim Festbankett wurden Altbürgermeister Pius Böhler, Altratschreiber Arnold Ebner und Ehrenvorsitzender Karl Probst von Ottmar Ebner als „eigentliche Initiatoren“ des Sportplatzbaus mit der silbernen FCB-Nadel ausgezeichnet. Kaum war das Fest beendet, reifte in den Köpfen der Fußballer des FC Binzgen schon das nächste Projekt: Der Bau des Clubheims.

Doch zunächst hatte der Vereine seine erste Führungskrise zu überstehen. Dem Vorsitzenden wurde – laut Protokoll – vorgeworfen, dass er in letzter Zeit die Spielersitzungen nicht mehr besuche. Der so Gescholtene erklärte, dass er das Amt aus persönlichen und beruflichen Gründen nicht mehr ausüben könne und trat zurück. Somit übernahm der 2. Vorsitzende Hans Bubke die Vereinsführung zunächst kommissarisch und wurde 1967 offiziell ins Amt gewählt.   

 

Clubheim für den souveränen Meister

In den 60-er Jahren und Anfang der 70-er Jahre erlebte der FC Binzgen seine sportlich erfolgreichsten Jahre. Obwohl die Mitglieder durch den Baus des Sportplatzes (1966) und des Clubheims (1969) schwer eingespannt waren, spielte die „Erste“ bis 1967 erfolgreich in der B-Klasse. Dem „Zwangsabstieg“ durch Umstrukturierungen folgten zwei starke Jahre in der C-Klasse mit Platz zwei 1969 und dem Staffelsieg 1970. Meister wurden damals: Die Spielertrainer Heinz Albiez und Manfred Baumgartner, Gerhard Dierenbach, Richard Frei, Dieter Hasenberg, Klaus Hübsch, Rudolf Lauber, Johann „Futzi“ Müller, Kurt Nowitz, Peter Schillinger, Wilfried Schlageter, Hermann Schopf, Manfred Tokarski, Gerold Zeiser. Das letzte Spiel endete 10:0 gegen den FC Dachsberg, insgesamt holte die Elf aus 20 Spielen 37-3 Punkte bei 109:20 Toren.

Ähnlich erfolgreich war der FC Binzgen mit der Maurerkelle. Unter der Bauleitung von Hans Bubke, der später für seine Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt wurde, bauten die Mitglieder ein Clubheim. Nach knapp zweijähriger Bauzeit wurde das Heim im Sommer 1971 eingeweiht. Etwas über 5000 Arbeitsstunden wurden geleistet, gekostet hat das Clubheim „nur“ 70.000 Mark. Für ihre Verdienste wurden diese Helfer geehrt: Hans Bubke, Oskar Berger, Franz Baldiswieler, Herbert Ebner, Fritz Huber, Heinz Mierau, Helmut Mierau, Alfred Mierau, Paul Graf, Ludwig Gersbach, Hermann Schopf, Frank Riedel, Konrad Müller, Siegfried Pfau und Architekt Werner Denz. Der war übrigens voll des Lobes: „Selten habe ich eine so saubere Baustelle erlebt.“

Mit dem Bau des Clubheims begann beim FC Binzgen eine neue Ära: Siegfried Pfau wurde 1968 Vorsitzender. Neun Jahre lang stand er an der Vereinsspitze, prägte den Club entscheidend. Seine Verbundenheit wurde nicht nur dadurch ausgedrückt, dass er Sportplatz und Clubheim hegte und pflegte wie sein Eigentum. Noch heute liegt ihm die Sportanlage besonders am Herzen. Seit 1992 ist Siegfried Pfau Ehrenvorsitzender unseres Clubs.

 

Gymnastik-Wieber und Alte Herren

Nicht nur die Einweihung des neuen Clubheims war 1971 ein einschneidendes Ereignis für den FC Binzgen. Zwei neue Abteilungen wurden in diesem Jahr gegründet.

Den Anfang machten die Alten Herren, die sich am 8. Januar als offizielle Abteilung gründeten. Erster AH-Chef wurde Oskar Berger. Kaum drei Wochen später, am 29. Januar, formierte sich unter der Führung von Ilse Schlageter die Gymnastikgruppe, die – wie die AH – heute nicht mehr aus dem Verein wegzudenken ist. Gegen alle Skeptiker setzten sich die „Gymnastik-Wieber“ durch und verschönerten so manches Fest mit ihren kreativen Einlagen und Tänzen. Auch bei Arbeitsdiensten sind die Frauen stets eifrig im Einsatz. Und im Vergleich zu den Kickern gab es hier nur selten einen Trainerwechsel: Nach Dorle Tritschler folgten bis heute „nur“ Christel Schlageter und Iris Zöllner.

Schon ein Jahr später wurde wieder groß gefeiert, denn der FC Binzgen wurde 10 Jahre alt. Zum Hauptspiel trafen sich der SV 08 Laufenburg (2. Amateurliga) und – erstmals in Binzgen – die TSG Sprockhövel. Die Laufenburger gewannen gegen den Heimatverein von Dieter Hasenberg mit 3:2. Beim Ortsgrümpelturnier siegten die „Rowdies ‘72“.

Schon damals gab es das in den nächsten Jahren oft typische FC Binzgen-Wetter. 1000 Personen fasste das Festzelt, doch da am frühen Abend ein schweres Gewitter niederging, waren Musiker und Helfer fast unter sich. Erst später fanden sich noch ein paar Gäste ein. Sturzbäche liefen durch das Zelt, auch der Sportplatz sah mitgenommen aus. Dennoch wurde das Fest zu einem Erfolg für den Verein.

Wie sich die Zeiten ändern, zeigen die damaligen Preise. Beim Volksfest 1973 kostete ein Bier 1,50 Mark, die Cola 90 Pfennig und eine Grillwurst 2,- Mark. Für ein Schorle musste „Futzi“ 1,20 Mark zahlen.

Auch die Trainer waren billiger: 80 Mark pro Monat bezahlte der FC Binzgen seinem Übungsleiter. Vielleicht hätte man ein paar Mark drauflegen sollen. 1974 stieg die Elf nämlich wieder in die C-Klasse ab.

 

Stützmauer für den neuen Trainer

Einen schweren Stand hatte Mitte der 70-er Jahre die 2. Mannschaft. Das belegt das Protokoll vom 10. Oktober 1975. Zunächst wurde   eine neue Platzkommission gebildet: Ludwig Gersbach, Paul Hupfer und Erich Thoma waren zuständig, wenn es um die Bespielbarkeit ging. Außerdem wurde mit 6:4 Stimmen beschlossen: Im Zweifelsfall (bei schlechtem Wetter) ist der neue Sportplatz nur für die 1. Mannschaft reserviert. Doch nicht genug, denn die „Zweite“ meldete, dass der Spielball restlos zerschlissen sei. Spielführer Norbert Schmid (heute Dirigent des Musikvereins) durfte einen neuen Ball kaufen. Bessere Leistungen brachte der neue Ball nicht: Die außer Konkurrenz spielenden Binzger holten nur drei Siege bei 45:120 Toren.

Schon im November 1975 findet sich der erste Hinweis auf eine „unendliche Geschichte“, die bis heute den Vorstand beschäftigt. Siegfried Pfau regte damals an, auf dem Areal des „alten Sportplatzes“ einen Hartplatz zu bauen, um ganzjährig einen bespielbaren Platz zu haben. „Die anschließende Diskussion brachte kein Ergebnis“, dieser Satz könnte auch 1999 wieder im Protokoll stehen. Damals wie heute fehlte es am Geld und am idealen Standort. Später wurde beschlossen, den neuen Sportplatz für 150.000 Mark in einen Hartplatz umzubauen. Ein Beschluss, der – Gottseidank – nie in die Tat umgesetzt wurde.

Ungewöhnlich aktiv wurden die Aktiven 1976, um einen neuen Trainer zu bekommen. Wenn ihm bei der Erstellung einer Stützmauer geholfen werde, sei er bereit, dieses Amt zu übernehmen, erklärte der Fußballer aus Niederhof. Die Binzger Kicker schritten zur Tat und hatten zumindest für diese Saison einen neuen Trainer.

Ein Jahr später endete die Ära Siegfried Pfau. Er gab 1977 sein Vorstandsamt an Gerold Pfeifer ab, blieb als Platzkassierer dem Verein verbunden. Und noch etwas kurioses ist aus diesem Jahr zu berichten: Roland Huber wurde damals Torschützenkönig der 1. und der 2. Mannschaft.

 

Ende der Ära Siegfried Pfau

Bei der 15. Generalversammlung des FC Binzgen am 21. Mai 1977 endete die Ära Siegfried Pfau an der Vereinsspitze. Er hatte den Verein neun Jahre lang geführt und war Ende der 60-er Jahre eine der Triebfedern beim Clubheimbau. Für seine langjährigen Verdienste hat ihn der Verein 1991 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein Nachfolger wurde damals für ein Jahre Gerold Pfeifer, der vier Jahre später – dann als Kassierer – unseren Verein in eine schwere Krise gestürzt hat. Davon aber mehr in der nächsten Ausgabe unserer Serie.

In jenem Jahr wurde bis heute immer wieder gern genutzte Festhütte am Sportplatz von den Alten Herren gebaut. Einer war damals und auch bei späteren Erweiterungen und Renovierungen besonders rege tätig und irgendwann trug die Hütte sogar seinen Namen: Koni Müller. Allerdings stand diese Bezeichnung nur auf einer einfachen Holztafel, die irgendwann einmal verschollen ist.

Einen ganz wichtigen Tagesordnungspunkt hatte die Vorstandsitzung vom 4. November 1977. „Siegfried Pfau stellte den Antrag, dass alle neuen Vorstandsmitglieder ein Einstand zahlen müssen.“ Offensichtlich wurde über dieses Thema dann endlos diskutiert, denn verschämt in Klammern hat Schriftführer Norbert Schmid festgehalten: Ohne Beschluss.

Ein Tipp an Berti: sofort auf die Tagesordnung setzen und abstimmen lassen.

„Gut Ding will Weile haben“ – dieses Motto bestätigt sich beim FC Binzgen immer wieder. So auch bei der Küche. Peter Schillinger, damals 2. Vorsitzender, regte am 20. Januar 1978 an, dass die Clubheimküche vergrößert werden soll. Gesagt, getan: Im Sommer 1996 war die neue Küche fertig.

Sportlich sollte es ab der Saison 1978/79 mit dem FC Binzgen steil bergauf gehen, so zumindest der Wunsch des neuen Vorsitzenden Dieter Hasenberg und des Spielleiters Rudi Frei. Als Spielertrainer wurde Miroslav Suty verpflichtet, der zuvor beim SV 08 Laufenburg gespielt hatte und als hervorragender Fußballer bekannt war. Die Sache lief aber nicht so richtig, Suty legte seinen Posten im April 1979 nieder, Frithjof Steidel übernahm als Interimstrainer, die 1. Mannschaft kam auf Platz neun von 12 Mannschaften. 1979 gelang sogar ein echter Coup: Der FC Binzgen holte den am Hochrhein bekannten Trainer Horst Anlicker. Doch das Glück war auch ihm nicht hold. Platz sechs, mehr sprang 1979/80 nicht heraus, obwohl wir einen echten Torjäger aus der Schweiz hatten: Urs Siebenhaar erzielte damals 31 der 57 Binzger Tore.

Die traurigste Nachricht kam im November 1979: Peter Schillinger, langjähriges Vorstandsmitglied und Aktiver, war zwischen Murg und Bad Säckingen tödlich verunglückt.

  

Ohne Moos nix los – aber nicht beim FC Binzgen

Seit Siegfried Pfau im Jahr 1977 als Vorsitzender aufgehört hatte, folgten ihm bis 1981 drei Personen im Amt: Ein Jahr leitete Gerold Pfeifer den Club, von 1978 bis 1980 war Dieter Hasenberg an der Spitze und im Jahr danach leitete Alois Jäger den FC Binzgen für ein Jahr.

1981 übernahm Edi Margathe den Verein und wollte ihn nach den sportlichen Turbulenzen in ruhigeres Fahrwasser führen. Doch die trügerische Ruhe hielt nur ein Jahr: Wenige Tag vor der Generalversammlung 1982, der FC Binzgen hatte für diesen Sommer ein Fest zum 20-jährigen Bestehen geplant, ereilte ihn eine schlimme Nachricht. Kassierer Gerold Pfeifer, seit 1980 im Amt, hatte den Verein um eine Summe von rund 25.000 Mark „erleichtert“. Auch bei seinem Arbeitgeber in Bad Säckingen fehlte Geld, dort waren im Verlauf von neun Jahren rund 400.000 Mark, die auf sein Konto gingen. Nach seinem Geständnis musste der untreue Kassierer für drei Jahre hinter Gitter.

Unser „Ehren-Kassierer“ Bernhard Schlageter, der Pfeifer nach zehnjähriger Tätigkeit 1980 eine tadellose Kasse übergeben hatte,  machte sich über die Bücher und teilte den Mitgliedern die betrübliche Nachricht mit. Spontane Sammlungen bei der Generalversammlung ermöglichten es damals den Jugendspielern, dass sie nicht auf ihren Ausflug verzichten mussten.

In jenen Jahren wurden die Hallenturniere ins Leben gerufen, das erste gewann 1979 der SV BW Murg. Der SV Luttingen sorgte im Finale 1982 für den höchsten Sieg: 8:0 gegen den SV 08 Laufenburg.

Dass der FC Binzgen auch sportliche Frauen in seinen Reihen hatte, war spätestens 1981 jedem klar. Die Gymnastikgruppe, damals von Ilse Schlageter geleitet und von Dorle Tritschler trainiert, feierte ihren zehnten Geburtstag. Die Jazztanzgruppe wurde im Sommer 1981 als Freizeitsportgruppe gegründet. Die damaligen Spielerfrauen und  –freundinnen  hatten genug vom Zuschauen und spielten fortan selbst Fußball. Seit ein paar Jahren ist aber Jazztanz mit Adelheid Möltgen angesagt.

Und noch ein paar interessante Zahlen aus jenen Jahren.

Ausgerechnet in der Vorstandsitzung vom 8. März 1982, als Johann Müller (Fuzzi) gefehlt hat, wurde „heimtückisch“ der Schorlepreis auf 1,80 Mark erhöht.

Für einen unauslöschlichen Rekord sorgte der FC Binzgen im Sommer 1984: Beim traditionellen Grümpelturnier spielten damals 54 Mannschaften (!) mit. Seit ein paar Jahren gibt´s kein Grümpelturnier mehr in Binzgen: Die Beteiligung wurde immer geringer. Es war zuletzt schon schwer, 20 Teams zu finden.

 

25 Jahre FCB, ein Fest im Dauerregen

Was tut ein Verein, dem das gesamte Vermögen unterschlagen wurde? Er feiert sein 20. Vereinsbestehen und zwar ordentlich. Im Rahmen einer Sportwoche gab es zahlreiche Ehrungen und Fußball mit einem wortbrüchigen Freiburger FC, der nur eine Reserve-Elf schickte, die gegen den TuS Lörrach-Stetten mit 0:5 verlor. Es wurde getanzt und geschunkelt, die Finanzmisere schien zumindest in diesen schönen Stunden vergessen.

In den 80-er Jahren lief es beim FC Binzgen sportlich mehr als durchwachsen. Trainer kamen und gingen, interne Lösungen brachten die Mannschaft auch nicht weiter. Und als der Verband 1987 beschlossen hatte, dass das Schlusslicht aus der Kreisliga B absteigen muss, war es natürlich der FC Binzgen, der 1988 als erster Verein in die Kreisliga C runter musste – für zwei Jahre.

Doch auch in der Führung knarrte es. 1986 legte Edi Margathe nach fünf Jahren sein Amt als Vorsitzender nieder, ebenso sein Stellvertreter Harry Draganski. Harry wurde in geheimer Wahl zum Nachfolger bestimmt, er lehnte ab. Im zweiten Wahlgang wurde Matthias Scheibengruber gewählt. Als dann aber ein 2. Vorsitzender gewählt werden sollte, ging nichts mehr. Die Versammlung wurde aufgelöst, der bisherige Vorstand blieb kommissarisch im Amt. Zwei Monate lang wurde hinter den Kulissen debattiert, schließlich drohte die Auflösung des Vereins. Aber am 29. August bei der außerordentlichen Generalversammlung war nach einer guten halben Stunde alles klar: Harry Draganski wurde neuer FCB-Chef und führte den Verein ins 25. Vereinsjahr.

Nicht nur der Vorstand wurde seinerzeit aufgewühlt, auch unser Sportplatz. Damit beim Jubiläum ein ordentlicher Platz zur Verfügung steht, wurde unter der Bauleitung von Roland Huber eine neue Drainage eingebaut.

Nun konnte das Festgremium in die Endphase der Planung für das 25. Vereinsjubiläum gehen. Alles war bis ins Detail geplant für das zehntägige Fest im Juni 1987. In zwei Zelten am Clubheim wurde gefeiert. Zum Auftakt besiegte die Gründungs-Elf den ersten Gegner von 1962, den SV Niederwihl, mit 4:1.

Beim Festbankett wurden Fritz Huber, Koni Müller und Erich Thoma neue Ehrenmitglieder. Landesligist SV 08 Laufenburg gewann 7:2 gegen Concordia Basel. Doch dann zogen dunkle Wolken auf, Regen kündigte sich an. Beim schwach besuchten Tanz mit den Oberrheinmusikanten war es bitterkalt. Zur Bezirksmeisterschaft blinzelte ein paar Mal die Sonne und freute sich über den sensationellen Meistertitel für die F-Jugend des FC Binzgen.

Danach regnete es – tagelang. Kälte und Regen hielten Besucher ab, lediglich bei der Disco war Betrieb. Das Grümpelturnier wurde zur Platzschonung abgesagt, ebenso das Ortsteilturnier und der Tanzabend am Samstag. Das Spiel gegen die Hotzenwald-Elf verloren unsere Freunde von der TSG Sprockhövel trotz Mitwirkens von Ex-Profi Hans-Günter Etterich (VfL Bochum) mit 1:8. Klaus Schacht (damals SV Niederhof) schoss fünf Tore.

Unser betrübtes Fazit: Das Fest war ins Wasser gefallen, schade um die vielen Vorbereitungen.

 

Bayern-Besuch, Meistertitel und endlich wieder Theater

Besuche bei Bundesligaclubs sind seit einigen Jahren sehr beliebt, so auch beim FC Binzgen. Unvergessen bleibt für alle Beteiligten sicher die einladung von Bayern München, der unserer Jugend im Sommer 1989 50 Freikarten für das Spiel gegen den FC St. Pauli spendierte. Die Krönung des Besuchs war das Gruppenfoto „FC Binzgen und FC Bayern“. Jugendspieler und Erwachsene freuten sich über Autogramme der damaligen Stars Augenthaler, Thon, Grahammer, Kögl, Wohlfahrt und Aumann, sowie von Manager Uli Hoeness und Trainer Jupp Heynckes. Ehe es ins Stadion ging, besuchte die Binzger Gruppe mit Jugendleiter Gerhard Dierenbach an der Spitzer die Bavaria-Filmstudios.

Endlich wieder einen sportlichen Grund zum feiern gab es 1990, als die „Erste“ unter Trainer Walter Bock in die Kreisliga B zurück kehrte. Ein 10:2 beim FC Wallbach II machte den Titel perfekt, nachdem unser Team im Jahr zuvor als Vizemeister im Entscheidungsspiel gegen die SF Schliengen II gescheitert war.

1991 verpflichtete der FC Binzgen wieder einmal einen regional gut bekannten Fußballer als Spielertrainer, diesmal allerdings mit Erfolg. Vom Landesligisten SV Dogern kam Johann Scheible zu uns und war drei Jahre tätig. Fast wäre das Team 1993 unter seiner Leitung in die Kreisliga A aufgestiegen, nur drei Punkte fehlten.

Theater gab es beim FC Binzgen schon seit dem Gründungsjahr 1962 immer wieder einmal. So richtig organisiert aber erst wieder seit 1991, als Matthias Scheibengruber und Heinz Albiez die einst von Werner Probst in den ersten Vereinsjahren (bis 1968) begründete Tradition wieder aufleben ließen. „Ramba-Zamba am Lido Makkaroni“ hieß die damalige Aufführung. Es spielten Daniela Winkler (damals noch Handtmann), Helga Hasenberg, Brigitte Günther (damals noch Riedl), Sonja Winter (damals noch Draganski), Ulrike Gampp, Helmut Fleck, Reinhard Bladt und Matthias Scheibengruber mit. Regie hatte Heinz Albiez, Souffleure waren Rolf Tröndle, Uwe Kriese und Sandra Albiez, für die Maske war Ines Frommherz zuständig, die Technik hatte Günter Eckert im Griff, den Video drehte Adolf Tröndle.

Und noch eine Premiere gab es 1992: Erstmals beteiligte sich der FC Binzgen mit dem gelben Discozelt an der Städtlefasnacht. Theaterabende und Städtlefasnacht sind auch im Jahr 2000 noch wichtige Veranstaltungen im Vereinsleben.

 

Hirse, Bratwürste und Böhlis Statistikvorträge

Ein schöner Anlass war meine erste offizielle Amtshandlung, nachdem mich die Mitglieder 1992 zum Nachfolger des Vorsitzenden Harry Draganski (1986-92) gewählt hatten. 53 Mitglieder wurden beim Ehrungsabend zum 30-jähigen FCB-Geburtstag geehrt.

Gutes Geld gab es 1992 von einer Textilfirma, die im Clubheim einen Werbeabend veranstaltete. 40 Paare hatten wir eingeladen. Pro Paar gab es 15 Mark, dazu ein Essen und 100 Mark für den Verein extra. Totenstill war es zwei Stunden lang im Clubheim, dann wurden die Bratwürste gegessen. Die Werber machten lange Gesichter, kein Mensch kaufte Lama-Decken.

Weniger lustig war es im Sommer 1994, als nach der rund 25.000 Mark teuren Sanierung kurz vor Saisonbeginn plötzlich Hirse auf dem gesamten Sportplatz sprießte. Im verteilten Humus muss noch Samen gewesen sein, der sich über viel Wasser und Dünger natürlich freute. Zahlreiche Mitglieder beteiligten sich an der „Ernte“. Halm für Halm musste das Getreide ausgestochen werden.

Viel mehr Spaß hatten die Mitglieder in den 90-er Jahren bei den Generalversammlungen. Warum? Der damalige „Chef Zweite“, Christof Böhler, verstand es blendend, mit allerlei Zahlenwerk, Statistiken und Beispielrechnungen die meist mäßige Bilanz der 2. Mannschaft zu „schönen“. Höhepunkt seiner immer wieder gern gehörten Vorträge war seine Abschiedsvorstellung bei der Generalversammlung 1997. Mit einem Overhead-Projektor blickte er auf seine siebenjährige, erfolgreiche Tätigkeit zurück. Der neue Bürgermeister Michael Merle hätte ihn sicher gern fürs Rathaus engagiert. Böhli hätte jedes Defizit in der Stadtkasse zu Guthaben gerechnet.

Eine große Ehre war für den FC Binzgen, dass wir 1995 erstmals den Bezirkstag Hochrhein ausrichten durften. Vertreter von 130 Vereinen waren in der Stadthalle unsere Gäste. 1996 war die Jugendabteilung ebenfalls Gastgeber des Verbands, diesmal für den Jugendbezirkstag.

Dass beim FC Binzgen außergewöhnlicher und Einsatz für den Verein belohnt wird, durften neun Männer erfahren, die in den 90-er Jahren zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden: Siegfried Pfau (1991), Harry Draganski, Edi Margathe, Gerhard Dierenbach (alle 1994), Johann Müller, Bernd Lauber (beide 1996) sowie Roland Huber, Gregor Tokarski und Matthias Scheibengruber (alle 1999).

Mit den umfangreichen Arbeiten neben der Sportplatzsanierung wie Duschraum-Umbau, Neubau des Trainingsplatzes, Neugestaltung der Küche, der Theke und der Außenanlage des Clubheims war der Verein im vergangenen Jahrzehnt sehr innovativ und hat an die 120.000 Mark investiert.

Angesichts dieser enormen Ausgaben freuen wir uns über die Existenz des Förderkreises, den Siegfried Pfau seit der Gründung führt. Neue Mitglieder (Jahresbeitrag 100 Mark) sind übrigens jederzeit erwünscht. 

 

Matthias Scheibengruber